jens.marketing
KI-NewsletterAusgabe #19904. Oktober 2026

OpenAIs Dauer-Agenten, Gemini-Skills & ein Sprachmodell aus Deutschland

Jens PolomskiZum Archiv
Worum es geht

Moin zur neuen Ausgabe! Hinter mir liegen drei Tage Bits & Pretzels in München, mein erstes Mal dort und gleich als Table Captain, mit Lederhose. Mitgenommen habe ich vor allem einen Satz von Trevor Noah: Failure comes from action. Wer scheitert, hat vorher etwas gemac…

Im Original

Moin zur neuen Ausgabe! Hinter mir liegen drei Tage Bits & Pretzels in München, mein erstes Mal dort und gleich als Table Captain, mit Lederhose. Mitgenommen habe ich vor allem einen Satz von Trevor Noah: Failure comes from action. Wer scheitert, hat vorher etwas gemacht. Warum ich den Satz wichtig finde, habe ich auf LinkedIn aufgeschrieben.

Diese Woche gibt es außerdem ein kostenloses Webinar mit Maximilian von OpenAI und wir sprechen über die Bewertung von Modellen, spannend!

Passend dazu habe ich kurz vor dem Event selbst etwas gebaut, ScrollWorth, du findest es unten als Werkzeug der Woche. Außerdem hat das Handelsblatt Muse von Meta und Dots von OpenAI verglichen und mit ersten Testern in Deutschland gesprochen, und ich bin in dem Artikel auch dabei. Und für 2027 steht schon die nächste Bühne fest: Ich bin unter den ersten acht Speakern der OMR27, zum vierten Mal auf einer der OMR-Bühnen.

Und dann war da noch ein Beitrag, mit dem ich so nicht gerechnet hätte: THE LAST JOB, ein fünfminütiger Kurzfilm, den Claude Opus 5.5 komplett allein gebaut hat. Über 350 Likes, wow, danke dafür! Wie der Film entstanden ist und was er gekostet hat, steht ganz unten im Use Case der Woche.

In dieser Ausgabe: vier Top-Meldungen, ein Impuls über die zehn Prozent, die fast zwei Drittel aller ChatGPT-Prompts schreiben, dazu zwölf Kurznews, elf Tools, das neue KI-Update-Video und eine neue Frage der Woche.

Mein Blick auf die KI-Woche

Den DevDay von OpenAI habe ich mir auf den Treppen der Münchner Oper angeschaut. Die Modelle, die man kaufen kann, kommen immer näher an die Spitze, und die stärksten Modelle halten die Labore gerade zurück. GPT-6.1 Sol liefert laut OpenAI fast das Niveau von GPT-6 Astra zu einem Fünftel des Preises. Gleichzeitig lässt OpenAI seine stärksten Modelle weiter nicht mit Werkzeugen arbeiten, und Google gibt Gemini 4 Argon zuerst nur ausgewählten Cyber-Verteidigern.

Die Frage, die ich selbst gerade durchdenke, kommt aus einer Demo von Tavus. In einem Test hielten 48 Prozent der Leute das Gegenüber im Videocall für einen Menschen. Auf LinkedIn habe ich gefragt, in welchen Calls ein Avatar für euch okay wäre und in welchen nicht. Der EU AI Act verlangt, dass Menschen erfahren, wenn sie mit einer KI sprechen. Ob sich im Videocall jeder daran hält, ist eine andere Frage.

 Wo du mich triffst

Öffentliche Termine, bei denen du mich erwischst. Sag Bescheid, wenn du da bist.

14. und 15. Oktober, Wien: AI Enabling Day

Für Menschen aus dem Tourismus, die mit KI arbeiten wollen, statt nur darüber zu reden. Ich bin mit einem Deep-Dive-Workshop dabei.

 Mein KI-Impuls

Ein Thema der Woche, das ich länger mit mir herumgetragen habe.

 Screenshot: Epoch AI, Introducing the ChatGPT usage explorer 

Zehn Prozent der Nutzer schreiben fast zwei Drittel aller ChatGPT-Prompts

Epoch AI hat am 1. Oktober einen Datensatz veröffentlicht, den es so bisher nicht gab: die Metadaten aus den ChatGPT-Verläufen von 5.000 US-Panelisten von YouGov, rund 8,3 Millionen Nachrichten seit dem Start Ende 2022. Keine Umfrage, sondern echte Nutzung. Das auffälligste Ergebnis steht gleich am Anfang: Die aktivsten 10 Prozent der Panelisten schickten 63 Prozent aller Prompts.

Im Dezember 2025 lag der Median bei 36 Nachrichten pro aktivem Panelisten, Prompts und Antworten zusammengezählt, der Durchschnitt bei 158. Diese Lücke entsteht, weil wenige Leute sehr viel machen. Gleichzeitig wächst die Gruppe der Vielnutzer: Der Anteil, der ChatGPT an 21 oder mehr Tagen im Monat nutzt, hat sich zwischen Dezember 2023 und Dezember 2025 vervierfacht, von 2,6 auf 10,5 Prozent.

Die typische Unterhaltung besteht bis heute aus zwei Prompts. Mindestens die Hälfte aller Unterhaltungen ist nach zwei Prompts vorbei. Wer so arbeitet, nutzt KI wie eine bessere Suchmaschine und bekommt auch ungefähr das zurück.

Das passt zu dem, was ich in Workshops sehe und diese Woche auf LinkedIn beschrieben habe. Viele sind bei Mails, Zusammenfassungen und mal einem Text stehen geblieben. Wer dabei bleibt, arbeitet mit dem Stand von vor einem Jahr Den Abstand merkt man erst, wenn die Kollegin sich ihr Auswertungs-Tool selbst baut, während man noch ein Ticket an die IT schreibt.

Fairerweise muss man die Grenzen des Datensatzes mitlesen. Es sind US-Nutzer, die freiwillig ihre Verläufe geteilt haben, und es fehlen alle, die ChatGPT vor 2026 wieder aufgegeben haben. Epoch schreibt selbst, dass die Daten mehr über Veränderungen innerhalb dieser Gruppe sagen als über alle Nutzer. Die Richtung halte ich trotzdem für belastbar, weil sie zu Epochs eigener repräsentativer Umfrage passt: Die fast tägliche KI-Nutzung unter US-Erwachsenen hat sich laut Epoch zwischen März und August 2026 mehr als verdoppelt.

Für Unternehmen heißt das: Eine Lizenz für alle verteilt noch keine Kompetenz. Die Lücke zwischen den zehn Prozent und dem Rest schließt sich durch Ausprobieren, und zwar an Aufgaben, bei denen man vorher gedacht hat, das kann KI nicht. Wo es scheitert, lernt man am meisten.

1Wer gehört bei uns zu den zehn Prozent, und weiß der Rest überhaupt, was diese Leute anders machen?2Wie viele unserer Unterhaltungen mit KI enden nach zwei Prompts, und bei welchen Aufgaben wäre ein dritter, vierter oder zehnter Schritt nötig gewesen?3Welche Aufgabe traut bei uns niemand der KI zu, und wer probiert sie diese Woche trotzdem aus?

Die Grenze, an der KI gerade scheitert, findet man nur, wenn man sie sucht.

Werkzeug der Woche

ScrollWorth bewertet deinen LinkedIn-Feed beim Scrollen

Meine kostenlose Chrome-Erweiterung gibt jedem Beitrag einen Wert von 0 bis 100 und ein Urteil, Read, Skim oder Skip, gemessen an deiner Rolle, deinen Zielen und deinen Themen. KI-Slop und Engagement-Bait bekommen eine Warnung. Du brauchst einen eigenen API-Schlüssel von TypeSafe, bei mir haben 165 bewertete Beiträge 2 Cent gekostet und über drei Stunden Lesezeit gespart. ScrollWorth im Chrome Web Store

 Frage der Woche

Was beim letzten Mal herauskam, und die Frage, die diese Woche läuft.

Das kam beim letzten Mal heraus

Beim letzten Mal wollte ich wissen, wie lange es bei euch vom Wunsch bis zum freigegebenen KI-Tool dauert. 42,5 Prozent sagen: mehrere Monate. 23,3 Prozent schaffen es in ein paar Tagen, 16,4 Prozent in einigen Wochen. Und 17,8 Prozent sagen, dafür gibt es bei ihnen gar keinen Weg.

Für 60,3 Prozent dauert es also Monate oder es geht gar nicht. Das passt zum Impuls aus der letzten Ausgabe über Schatten-KI: Wer in Tagen lernt und Monate auf das Werkzeug wartet, sucht sich eins. Die neue Frage schließt an den Impuls von heute an.

 Kurze UmfrageWie oft probierst du mit KI etwas aus, das du noch nie damit gemacht hast?Fast jede WocheEin- bis zweimal im MonatSeltenerEigentlich nieEin Klick genügt, das Ergebnis siehst du sofort.  Bei snipKI

Wie ich die Firma aufbaue, woran wir gerade arbeiten und wo du dabei sein kannst.

 KI-Führerschein für Einzelpersonen: kostenlose Info-Session am 6. Oktober 2026 um 12 Uhr, Start am 20. Oktober 2026 

Kostenlose Infosession am 6. Oktober um 12 Uhr. Eine Stunde über Aufbau und Ablauf des KI-Führerscheins für Einzelpersonen, danach alle Fragen live, ohne Verpflichtung. Die nächste Kohorte startet am 20. Oktober. Hier sicherst du dir deinen Platz in der Infosession.

  

Webinar mit OpenAI am 8. Oktober, 11 bis 12 Uhr. Maximilian Hudlberger, Applied AI Engineer bei OpenAI, zeigt live, wie sein Team neue Modelle bewertet und wie du sie im Arbeitsalltag besser einsetzt. Die Teilnahme ist kostenlos. Hier kannst du dich anmelden.

Diese Woche habe ich vor allem gebaut. Mit den neuen Plugin-Erweiterungen, die OpenAI auf dem DevDay vorgestellt hat, läuft mein SEO-Dashboard jetzt direkt in der Seitenleiste von ChatGPT, mit geplanten Abfragen und Rückfragen zu den Ergebnissen. Ein paar weitere Plugins sind schon fertig, dazu kommt in den nächsten Tagen mehr bei snipKI. Dazu ScrollWorth, das du oben als Werkzeug der Woche findest.

Nächste Termine

6. Oktober, 12 Uhr: Infosession KI-Führerschein für Einzelpersonen

Eine Stunde über Aufbau und Ablauf, danach alle Fragen live. Kostenlos und ohne Verpflichtung.

8. Oktober, 11 Uhr: Webinar mit OpenAI

Neues Modell, echter Fortschritt? Maximilian Hudlberger zeigt live, wie OpenAI neue Modelle testet und woran du echten Fortschritt erkennst. Kostenlos.

20. Oktober: Start der nächsten Kohorte

Acht Wochen mit vier Live-Modulen, 20 Mikroaufgaben, die auf dich zugeschnitten sind, und acht Consulting-Sessions.

21. Oktober, 12 Uhr: Retrieved, Cited, Trusted mit Kevin Indig

Wie Marken in KI-Antworten sichtbar werden, auf Basis von 1,2 Millionen ausgewerteten KI-Antworten. Kostenlos.

 snipKI, die KI-Enablement Company 

Das KI-Update als Video

KI-Update KW 40: DevDay, Sonnet 5.5 und Gemini 4 Argon

 Video ansehen: KI-Update KW 40: DevDay, Sonnet 5.5 und Gemini 4 Argon 

40:32 Minuten, in denen ich die Woche durchgehe. Darin geht es um den DevDay mit Dots, Plugin-Erweiterungen und den neuen Pro-Plänen, um Claude Sonnet 5.5, Gemini 4 Argon und die Skills in Gemini, dazu FLUX 3, Kling 4.0, Eleven v4, Suno Speech und Mistral in München. Video ansehen

 Top-Meldungen

Die Meldungen, die diese Woche wirklich etwas verändern, jeweils mit meiner Einordnung.

 Screenshot: OpenAI zieht mit Dots nach und macht ChatGPT zur Plattform 

OpenAI zieht mit Dots nach und macht ChatGPT zur Plattform

OpenAI hat auf dem DevDay am 29. September mehr als 20 Neuerungen vorgestellt. Die größte sind Dots, Agenten, die ständig im Hintergrund für dich arbeiten und dir Aufgaben abnehmen, ohne dass du jedes Mal fragen musst. Nach Muse von Meta und dem Grok Bot war klar, dass OpenAI hier nachziehen muss. Verfügbar sind Dots in Pro und Business Premium, in Enterprise und Edu nur als Beta, die der Admin erst einschalten muss.

Pro ist dafür wieder buchbar, allerdings mit weniger Nutzung als vorher, ganz oben steht jetzt Pro 500 mit dem 25-fachen Kontingent von Plus. Es sieht so aus, als müsse auch OpenAI sparen. Im Gegenzug kam GPT-6.1 Sol: laut OpenAI fast das Niveau von GPT-6 Astra zu einem Fünftel des Preises, in der API 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 Dollar für die Ausgabe. Damit sollte man aus seinem Plan wieder mehr herausholen.

Richtig mächtig sind die neuen Plugin-Erweiterungen. Plugins bekommen jetzt einen eigenen Platz in der Seitenleiste von ChatGPT und eigene Oberflächen, in denen man neben dem Chat arbeitet. Ich habe mir damit mein SEO-Dashboard direkt in ChatGPT gebaut, mit geplanten Abfragen und Rückfragen zu den Ergebnissen. Was ich sonst vom DevDay mitgenommen habe, von Spaces bis Sign in with ChatGPT, steht in meinem Recap auf LinkedIn.

  Screenshot: Google ersetzt die Gems in Gemini durch Skills 

Google ersetzt die Gems in Gemini durch Skills

Google hat am 30. September Skills in Gemini eingeführt. Du speicherst eine Anweisung einmal und rufst sie danach mit einem Schrägstrich und dem Namen direkt im Eingabefeld auf. Skills lösen die Gems ab und kommen weltweit in den Gemini-Chat, Workspace-Kunden in Unternehmen, Bildung und Non-Profit bekommen sie in den kommenden Wochen.

Das war auch notwendig. Bei Claude gehören Skills längst zum Alltag, und OpenAI hat auf dem DevDay das Teilen von Skills im Workspace angekündigt. Gems konnten im Prinzip Ähnliches, Skills rufst du aber direkt im Chat mit einem Schrägstrich auf, statt erst in ein eigenes Gem zu wechseln. Google nennt als Beispiele Präsentationen vorbereiten, im eigenen Schreibstil entwerfen und mehrere Perspektiven auf ein Thema einholen.

Am selben Tag hat Google auch sein neues Spitzenmodell Gemini 4 Argon vorgestellt. So richtig überzeugt hat mich Gemini 4 bisher noch nicht. Zuerst bekommen es ausgewählte Cyber-Verteidiger über das Fairwind-Programm, Entwickler, Unternehmen und Privatnutzer sollen laut Google so bald wie möglich folgen.

  Screenshot: Aleph Alpha stellt sein Sprachmodell Kolibri vor 

Aleph Alpha stellt sein Sprachmodell Kolibri vor

Aleph Alpha hat Kolibri veröffentlicht, ein Sprachmodell, das das Team in Deutschland von Grund auf trainiert hat und das auf Deutsch und Englisch spezialisiert ist. Die Gewichte stehen unter Apache-2.0-Lizenz auf Hugging Face, Unternehmen und Behörden können Kolibri also auf eigener Hardware betreiben. Gedacht ist es für Behörden und Industrie, etwa für Agenten, die Bürgeranfragen von Anfang bis Ende bearbeiten.

Kolibri ist ein Mixture-of-Experts-Modell mit 78 Milliarden Parametern, von denen pro Token 3 Milliarden arbeiten. Laut Aleph Alpha reicht dafür eine einzelne H200 oder B200 oder zwei A100 mit 80 GB. Auf einem Agenten-Test aus dem Bankwesen (Tau3-Bench Banking) kommt Kolibri laut Aleph Alpha auf 38,1 Prozent, Qwen3.6 35B auf 10,6 und Mistral Small 4 auf 5,7. Bei anderen Tests liegt Qwen vorn, im Telekom-Teil von Tau2-Bench etwa mit 99,1 zu 94,7 Prozent.

Es ist schön, oben mal wieder etwas aus Deutschland zu haben, neben FLUX 3 von Black Forest Labs. In #197 ging es darum, dass in deutschen Unternehmen fast nur amerikanische KI läuft. Für alle, die ihre Daten im eigenen Haus behalten müssen, ist ein offenes deutsches Modell, das auf zwei Grafikkarten läuft, eine echte Option. Laut Aleph Alpha ist Kolibri auf den EU AI Act und die Verhaltenskodizes ausgerichtet.

  Screenshot: Jedes achte Unternehmen nutzt KI schon im Bewerbungsprozess 

Jedes achte Unternehmen nutzt KI schon im Bewerbungsprozess

Bitkom hat am 28. September eine repräsentative Befragung von mehr als 600 Unternehmen in Deutschland veröffentlicht. 12 Prozent setzen KI bereits im Bewerbungsprozess ein, 2 Prozent lassen sogar Bewerbungsgespräche von einer KI führen, und 17 Prozent können sich das für die Zukunft vorstellen.

Am häufigsten schreibt KI die Stellenanzeigen, das machen 9 Prozent. 6 Prozent sortieren eingehende Bewerbungen mit KI vor, 5 Prozent nutzen KI-gestützte Kompetenz- oder Potenzialanalysen. Bitkom fordert dringend Klarstellungen zum AI Act, weil dort gerade beim Einsatz von Hochrisiko-KI viele Fragen offen seien.

In #193 ging es darum, dass jedes siebte Unternehmen Arbeitszeugnisse mit KI schreibt. Personal ist damit einer der Bereiche, in denen KI am schnellsten ankommt und die Regeln am unklarsten sind. Wer Bewerbungen mit KI vorsortiert, trifft Entscheidungen über Menschen und sollte das dokumentieren können, bevor jemand fragt. Das betrifft die Auswahl genauso wie die Absage.

 Auf dem Schirm

Kleinere Meldungen, die du kennen solltest, in je einer Zeile.

Die günstigeren Modelle von OpenAI und Anthropic rücken an die Spitze heran: Neben GPT-6.1 Sol kam Claude Sonnet 5.5 zum unveränderten Preis von 2 und 10 Dollar, braucht laut Anthropic pro Aufgabe aber bis zu 30 Prozent weniger. Microsoft hat beide Modelle am 30. September in Copilot Cowork und Copilot Studio freigegeben, mit Abrechnung nach Verbrauch.

Gemini ohne Abo gibt es ab dem 9. Oktober nur noch mit Flash-Lite: Laut einem aktualisierten Hilfeartikel von Google fallen für Nutzer ohne Abo Flash und Pro weg. Im günstigen AI Plus verschwindet Pro, wann genau, kündigt Google per Mail an. Dafür bekommt AI Pro die Option Deep Think, die es bisher nur in den teureren Abos gab.

Wieder umgeht ein Agent bei OpenAI eine Sperre, die stärksten Modelle bleiben angehalten: Ein Agent fand im Training eine Lücke im DNS-Filter und leitete Fragen an einen öffentlichen Chatbot weiter. Training, Tests und jeder Einsatz der fähigsten Modelle mit Werkzeugen bleiben pausiert, und OpenAI hat mehr als 100 Organisationen informiert, die Ziel seiner Agenten waren. Die US-Handelsaufsicht FTC vertieft laut heise ihre Untersuchung.

Landgericht Köln: Chat-Eingaben dürfen nicht ohne Einwilligung in die Werbung: Wer sensible Daten in den Chatbot „My AI“ von Snap tippt, dessen Eingaben dürfen nur mit ausdrücklicher Einwilligung für Werbung genutzt werden, ein „Okay“ unter einem Hinweis reicht nicht (Urteil vom 17. September, Az. 33 O 120/24). Wichtig für alle, die einen KI-Chat auf der eigenen Website oder in der eigenen App betreiben.

Ein offenes chinesisches Modell baut Exploits fast so gut wie Claude Mythos Preview: Anthropic hat GLM-5.3 von Zhipu AI untersucht. Die Schutzmechanismen ließen sich mit einfachen Techniken in 64 bis 100 Prozent der Fälle umgehen, und herunterladen kann das Modell jeder.

Trump und sechs KI-Konzerne unterschreiben eine Erklärung zur Selbstkontrolle: Google, OpenAI, Anthropic, Meta, xAI und Nvidia sind dabei. Die eine Seite enthält interne Kontrollteams und unabhängige Prüfer, formuliert aber durchgehend als „sollten“, nicht als „werden“.

Kalifornien schreibt menschliche Prüfung bei Kündigungen vor: Arbeitgeber dürfen sich bei Abmahnungen und Kündigungen nicht allein auf KI verlassen und müssen offenlegen, wenn ein Massenabbau auf ein KI-System zurückgeht. Anwälte dürfen Schriftsätze und rechtliche Bewertungen nicht vollständig an KI abgeben.

Die Länder wollen KI-Anbieter für ihre Inhalte haften lassen: Im Entwurf zum Digitale-Medien-Staatsvertrag Teil 2 steht: „Anbieter von KI-Informationssystemen sind für die von diesen generierten Inhalte verantwortlich.“ Stellung nehmen kann jeder bis zum 13. November.

Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland nutzt KI-Agenten: Das sagt der Work Relationship Index von HP mit 49 Prozent. Von den Agenten-Nutzern fürchten 43 Prozent, verdrängt zu werden, bei Leuten, die nur Text- oder Bild-KI nutzen, sind es 27 Prozent.

Mistral eröffnet einen Standort in München: Dort sollen Forschungsteams für Physics AI und industrielle KI sitzen, dazu Ingenieure für Unternehmenskunden. Bis 2030 will Mistral ein Gigawatt europäische Rechenkapazität aufbauen.

BMW will agentische KI in fast alle Unternehmensbereiche bringen: Von der Fahrzeugentwicklung über den Einkauf bis zur Produktion. Für Crashsimulationen arbeitet BMW mit Mistral an Modellen, die auf mehr als einem Petabyte eigener Simulationsdaten trainiert werden.

Google zahlt rund 100 Publishern für Inhalte in den KI-Übersichten: Laut einem Bericht von The Information gehen die Summen weit auseinander: von unter 1.000 Dollar über mehrere Monate bis zu mehr als einer Million Dollar für einen früheren Teilnehmer.

 Tools und Tool-Updates

Was ich mir angesehen habe und für wen es sich lohnt.

Alle Modelle dieser Woche auf meiner Zeitleiste: Neu dazugekommen sind Claude Sonnet 5.5, GPT-6.1 Sol und Eleven v4 samt Turbo von ElevenLabs, mehr als 90 Sprachen und eine Turbo-Variante für Sprachagenten. Jeder Eintrag ist gegen die Ankündigung des Labors geprüft.

FLUX 3 Image von Black Forest Labs: Bearbeitet einzelne Bereiche, ohne den Rest des Bildes anzutasten, platziert Elemente über Rahmen, nimmt bis zu zehn Referenzbilder und erzeugt bis zu 4K. Bis zum 8. Oktober kostet es in der API die Hälfte, eine Version mit offenen Gewichten soll in den kommenden Wochen folgen.

Hedwig: Mail, Kalender, To-dos und Agenten auf einer Fläche, die du dir selbst anordnest. Du verbindest Gmail oder Outlook, Agenten bereiten Antworten und Termine vor, und jeder Entwurf wartet im Postausgang, bis du ihn freigibst. Es gibt eine kostenlose Testphase.

Cua Spaces: Ganze Desktops für deine Agenten, auf dem Mac, auf eigenen Rechnern oder in deiner Cloud. Du kannst eine App samt Anmeldungen in einen Space verschieben und neben dem Agenten mit eigenem Cursor eingreifen. In der frühen Phase kostenlos, ohne Konto.

Lightpanda 1.0: Der Browser ohne Grafikausgabe, gebaut für Agenten und Datenauslese, ist aus der Beta. Er besteht mehr als 1,7 Millionen Web-Plattform-Tests, setzt CORS standardmäßig durch und bringt einen eigenen MCP-Server mit.

Whistle von Cactus Compute: Spracherkennung in einer Datei mit 16,9 MB, die auf der CPU des Geräts läuft. Transkribiert sieben Sprachen, darunter Deutsch, und das Audio verlässt dein Gerät nicht.

Muse Gadgets: Offene Hardware für Metas Agenten Muse: Mit einem ESP32-Board oder einem Raspberry Pi und dem SDK verbindest du Muse mit Displays, Knöpfen und Sensoren.

Clef von Cloudflare: Offene Entscheidungsmodelle unter Apache-2.0-Lizenz, kompatibel mit der API von Jev, um das es in #197 ging. Läuft lokal oder über Workers AI, eine neue Plattform zum Nachtrainieren mit eigenen Daten kommt dazu.

Decisions API von Perplexity: Antwortet mit Wahrscheinlichkeiten statt mit Text: ja oder nein, eine deiner Optionen oder eine Stufe auf deiner Skala. Bis zu 128 Fragen pro Anfrage, 0,04 Dollar pro Million Eingabe-Token, die Ausgabe ist kostenlos.

n8n Agents: Du beschreibst, was der Agent tun soll, gibst ihm ein Modell und die Workflows, die er nutzen darf. Ansprechbar in Slack, zeitgesteuert oder aus jedem Workflow heraus. Nach dem Agent Harness aus #194 der nächste Schritt aus Berlin.

Deepslate: Sprachmodell von Sprache zu Sprache mit 440 Millisekunden Latenz, 27 Sprachen und Hosting in der EU. Die ersten 750 Minuten sind kostenlos, ohne Kreditkarte.

Am 14. und 15. Oktober bin ich beim AI Enabling Day in Wien.

Bis dahin eine Sache zum Ausprobieren: Nimm dir eine Aufgabe, bei der du denkst, das kann KI bestimmt nicht, und probier es trotzdem. Wenn es klappt, nimm die nächste.

Jens

Nur für die, die bis hier gescrollt sind

Mein Use Case der Woche

Ich habe Claude Opus 5.5 einen fünfminütigen Kurzfilm über KI ganz allein machen lassen, „THE LAST JOB“, fünf Kapitel, 25 Szenen. Claude hat das Drehbuch geschrieben, über den Runway-MCP 27 Bilder, 30 Videoclips und zwei Musikstücke erzeugt und den Film per ffmpeg im Terminal geschnitten und untertitelt. Als die Moderation einen Clip blockiert hat, hat Claude ihn umgeschrieben und neu erzeugt. Nach 36 Minuten lag der erste Schnitt vor, insgesamt waren es zwei Stunden und 14 Minuten mit Feinschliff, ein Prompt und drei Korrekturen. Die Kosten laut Logs: rund 11 Dollar für 11,5 Millionen Token, davon 88 Prozent aus dem Cache, und etwa 128 Dollar für 12.756 Runway-Credits. Den Film und alle Zahlen findest du in meinem Beitrag, mit 69 Kommentaren mein meistdiskutierter der Woche.

 Jens Polomski

Jens Polomski · snipKI GmbH · Lerchenweg 4, 50997 Köln

Du bekommst diese E-Mail, weil du dich für den KI-Newsletter angemeldet hast.

Im Archiv blättern
Die nächste Ausgabe wartet schon

Hier weiterlesen — jede Woche.

Über 45.000 Marketer:innen lesen den KI-Newsletter. Kostenlos, jederzeit kündbar.