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KI-NewsletterAusgabe #19827. September 2026

💸 Mehr KI für weniger Geld: Opus 5.5 und die neuen GPT-6-Modelle sind da

Jens PolomskiZum Archiv
Worum es geht

Moin zur neusten Ausgabe meines KI-Newsletters und dem Ende einer anstrengenden Woche. Am 23. September stand ich auf der Innovation Stage der DMEXCO in Köln, meiner Heim-Messe, zu der ich einfach mit dem Fahrrad gefahren bin. Mein Thema war die Frage, wo der Vorsprung…

Im Original

Moin zur neusten Ausgabe meines KI-Newsletters und dem Ende einer anstrengenden Woche. Am 23. September stand ich auf der Innovation Stage der DMEXCO in Köln, meiner Heim-Messe, zu der ich einfach mit dem Fahrrad gefahren bin. Mein Thema war die Frage, wo der Vorsprung liegt, wenn alle alles generieren können. Am Tag danach ging es auf der Baufi Connect vor Baufinanzierern um meine These: Jobs, die sich nur auf Wissen verlassen, werden es zunehmend schwerer haben. Warum die Zahlen dazu passen und warum sie trotzdem nicht die ganze Geschichte erzählen, steht unten in der dritten Top-Meldung.

Vom 28. bis 30. September bin ich zum ersten Mal bei Bits & Pretzels in München, als Table Captain. Am 1. Oktober halte ich die Keynote bei Matrix42 in Frankfurt. Wenn du an einem der beiden Orte bist, sag Bescheid.

In dieser Ausgabe: fünf Top-Meldungen, ein Impuls über Schatten-KI und die unbequeme Frage, warum ausgerechnet Firmen, die schulen, mehr davon haben. Dazu zwölf Kurznews, zehn Tools, das neue KI-Update-Video und eine neue Frage der Woche.

Mein Blick auf die KI-Woche

In dieser Woche haben OpenAI und Anthropic die Preise ihrer neuen Modelle (GPT-6 Sol & Luna und Opus 5.5) deutlich gesenkt, und Microsoft rechnet Agenten in Copilot künftig nach Verbrauch ab. Gleichzeitig kam ein Befund, der mich mehr beschäftigt hat als jede Preisliste. Eine Re-Analyse von 254 Einreichungen im Coding-Benchmark SWE-bench zeigt, dass sich die führenden Einträge statistisch nicht mehr sauber voneinander trennen lassen. Dasselbe Modell schwankt dagegen je nach Arbeitsgerüst um bis zu 29,8 Prozentpunkte. Anthropic schreibt in der Ankündigung von Opus 5.5 sogar selbst, dass Benchmark-Abstände an der Spitze kein verlässlicher Maßstab mehr für den Alltag sind.

Welches Modell ihr nehmt, entscheidet immer weniger. Wie ihr damit arbeitet, welche Aufgabe ihr ihm gebt, was ein Durchlauf kostet und wer Grenzen setzt, entscheidet immer mehr. Wer gerade eine Modellauswahl als Großprojekt aufsetzt, investiert die Zeit an der falschen Stelle.

Passend dazu die Frage, die ich diese Woche auf LinkedIn gestellt habe: Alle rennen Richtung AGI, nur wo ist die Ziellinie? In den 19 Kommentaren darunter ging es um Definitionen, Superintelligenz und die Frage, was danach kommt. In den Firmen, mit denen wir bei snipKI arbeiten, geht es fast nie um AGI. Dort geht es darum, wie das Team ChatGPT, Gemini oder Claude im Alltag vernünftig nutzt und welche Daten rein dürfen. Die Modelle von heute können mehr, als die meisten Teams nutzen.

 Wo du mich triffst

Öffentliche Termine, bei denen du mich erwischst. Sag Bescheid, wenn du da bist.

28. bis 30. September, München: Bits & Pretzels

Zum ersten Mal dabei, als Table Captain. Am 30. September, dem dritten Tag, sitzen die Table Captains auf dem Oktoberfest, an jedem Tisch ist Platz für sieben Leute. Sag hallo, wenn du auch da bist.

1. Oktober, Frankfurt und im Livestream: Digitalize and Automate 2026

Um 14:15 Uhr meine Keynote „KI und die Zukunft der Arbeit: Wie Menschen und KI gemeinsam wachsen“. Veranstalter ist Matrix42, der Livestream läuft bis zum Ende meines Vortrags.

14. und 15. Oktober, Wien: AI Enabling Day

Für Menschen aus dem Tourismus, die mit KI arbeiten wollen, statt nur darüber zu reden. Ich bin mit einem Deep-Dive-Workshop dabei.

 Mein KI-Impuls

Ein Thema der Woche, das ich länger mit mir herumgetragen habe.

 Screenshot der Quelle 

Wer schult, bekommt mehr Schatten-KI

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat am 19. September einen Kurzbericht zu Schatten-KI veröffentlicht. Knapp 5.000 Beschäftigte wurden im März und April befragt, 29,1 Prozent der beruflichen KI-Nutzer arbeiten mit Tools, die ihr Arbeitgeber nicht bereitgestellt hat. Wo Arbeitgeber KI-Kompetenz stark fördern, sind es 44,5 Prozent, wo sie nichts tun, nur 21,3.

Mein erster Reflex war, dass das nach einem Argument gegen Schulungen klingt. Das IW liest es anders, und ich auch: Schatten-KI ist ein Nachfragesignal. Wer gelernt hat, was KI kann, will sie anwenden, und zwar am Montag und nicht nach dem nächsten Freigabezyklus. Ich habe dazu auf LinkedIn geschrieben, die Leute lernen in Tagen, die Bereitstellung dauert oft noch Monate.

Dass das Angebot den Unterschied macht, zeigen zwei weitere Zahlen aus dem Bericht. In kleinen Firmen unter 50 Beschäftigten liegt die Schatten-KI bei 33,5 Prozent, ab 250 Beschäftigten bei 25,5, und große Firmen stellen laut Bitkom deutlich häufiger offiziell Tools bereit. Offiziell eingeführte Tools werden laut einer vom IW zitierten Studie fast doppelt so häufig regelmäßig genutzt.

Ein Beispiel aus dieser Woche: Der Bundestag bekommt bis Ende des Jahres einen eigenen KI-Chatbot, ausdrücklich gegen Schatten-KI. Abgeordneten kann man externe Tools nicht verbieten, also baut die Verwaltung ein Angebot, das personenbezogene Daten maskiert und nur nach einer Schulung freigeschaltet wird. Selbst dort, wo ein Verbot rechtlich gar nicht geht, ist die Antwort ein besseres Angebot.

Fairerweise schreibt das IW selbst, dass die Daten einen Zusammenhang zeigen und keine Wirkrichtung. Mir reicht der Zusammenhang, um bei uns die Reihenfolge ernst zu nehmen. Die Rahmenbedingungen gehören vor der Weiterbildung geklärt, sonst schulen wir Nachfrage heran, die niemand bedienen kann. Die Bereitstellung muss so schnell werden wie das Lernen.

1Wie viele Tage liegen bei euch zwischen „das will ich nutzen“ und dem freigegebenen Tool? Hat das schon mal jemand gezählt?2Gebt ihr Modelle frei oder Datenklassen? Was passiert bei euch, wenn nächsten Monat das nächste Modell kommt?3Wer hat nach der letzten Schulung nach einem Werkzeug gefragt, und was hat diese Person bekommen? 

Werkzeug der Woche

Sechs neue Modelle, alle auf einer Zeitleiste

Diese Woche sind auf meiner Zeitleiste sechs Einträge dazugekommen: Claude Opus 5.5, GPT-6 Sol und Luna, Grok 4.7 zum selben Preis wie der Vorgänger, Xiaomis offene MiMo-V2.6-Reihe, das Bildmodell Qwen-Image-2.1 und Step 5 Preview von StepFun. Jeder Eintrag ist gegen die Ankündigung des Labors geprüft. Zur Zeitleiste mit allen Modellen

 Frage der Woche

Was beim letzten Mal herauskam, und die Frage, die diese Woche läuft.

Das kam beim letzten Mal heraus

Bei der letzten Frage ging es darum, wie leicht ihr den KI-Anbieter wechseln könntet. 40,3 Prozent sagen: mit Aufwand, aber machbar. 37,4 Prozent trauen sich den Wechsel ohne großen Aufwand zu. 11,5 Prozent haben darüber nie gesprochen, und 10,8 Prozent halten ihn für praktisch unmöglich.

Gut drei Viertel sehen also einen Weg raus. Ob das stimmt, zeigt erst der erste echte Wechsel, aber die Zahl passt zum Blick auf die KI-Woche oben: Wenn die Modelle an der Spitze enger zusammenrücken, wird der Wechsel billiger. Die neue Frage schließt an den Impuls an.

  Kurze Umfrage Wie lange dauert es bei euch vom Wunsch bis zum freigegebenen KI-Tool? Ein paar Tage Einige Wochen Mehrere Monate Dafür gibt es keinen Weg Ein Klick genügt, das Ergebnis siehst du sofort.  Bei snipKI

Wie ich die Firma aufbaue, woran wir gerade arbeiten und wo du dabei sein kannst.

 KI-Führerschein für Einzelpersonen 

Am 20. Oktober startet die nächste (bereits siebte!) Kohorte des KI-Führerscheins für Einzelpersonen. Zehn Wochen, vier zweistündige Live-Module im Abstand von je zwei Wochen, über 20 Mikroaufgaben, die auf jede Person zugeschnitten sind, und acht Consulting-Sessions in der Gruppe. Alle Sessions werden aufgezeichnet.

Die IW-Zahlen aus dem Impuls betreffen uns direkt, weil Kompetenz aufbauen genau das ist, was wir machen. Deshalb gilt für uns dieselbe Reihenfolge wie für unsere Kunden: erst klären, welche Werkzeuge und Regeln bereitstehen, dann schulen.

Und eine Frage zurück an dich: Woran steckst du gerade fest? Antworte einfach auf diese Mail. Ich lese jede Antwort selbst, und die Themen, die mehrfach kommen, landen in den Sessions und hier im Newsletter.

Nächste Termine

6. Oktober, 12 Uhr: Infosession KI-Führerschein für Einzelpersonen

Eine Stunde über Aufbau und Ablauf, danach alle Fragen live. Kostenlos und ohne Verpflichtung.

20. Oktober: Start der nächsten Kohorte

Acht Wochen mit Zertifikat, live mit unseren Expertinnen und Experten und mit mir.

 snipKI, die KI-Enablement Company 

Das KI-Update als Video

KI News: Claude Opus 5.5, GPT-6 Sol & Gemini 3.8 Live

 Video ansehen: KI News: Claude Opus 5.5, GPT-6 Sol & Gemini 3.8 Live 

Die Woche im Video. Darin geht es um Claude Opus 5.5 auf Platz eins bei Artificial Analysis, GPT-6 Sol und Luna zum halben API-Preis und Gemini, das bei einem Sicherheitstest in drei echte Firmen eingedrungen ist, dazu Metas neue Brillen und ChatGPT Voice mit Plugins. Video ansehen

 Top-Meldungen

Die Meldungen, die diese Woche wirklich etwas verändern, jeweils mit meiner Einordnung.

 Screenshot: OpenAI und Anthropic senken die Preise ihrer Arbeitsmodelle 

OpenAI und Anthropic senken die Preise ihrer Arbeitsmodelle

Am 22. September kamen zwei Preissenkungen auf einmal. OpenAI hat GPT-6 Sol und GPT-6 Luna veröffentlicht, Sol kostet in der API 2 Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 Dollar für die Ausgabe, die Hälfte des Vorgängers. Am selben Tag kam Claude Opus 5.5 für 4 und 20 Dollar, 20 Prozent unter Opus 5.

Mehr als der Listenpreis zählt, was eine Aufgabe am Ende kostet. Anthropic rechnet bei typischen Aufgaben mit 40 Prozent weniger Kosten, weil Opus 5.5 auch weniger Token pro Aufgabe braucht, und senkt den Preis für Cache-Lesezugriffe von 0,50 auf 0,20 Dollar. Genau diese Cache-Lesezugriffe machen laut Anthropic den Großteil der Kosten bei Agenten und Code aus, OpenAI gibt darauf jetzt 90 Prozent Rabatt.

Wer von Claude 4.6 oder einem älteren Modell umsteigt, sollte eine Zeile auf der Preisseite von Anthropic kennen: Ab Claude 4.7 erzeugt der neue Tokenizer für denselben Text rund 30 Prozent mehr Token. Rechnet mit ein paar eigenen Texten aus dem Alltag nach, bevor ihr mit der Preisliste plant. In ChatGPT laufen Sol und Luna vorerst nur in ChatGPT Work und Codex, noch nicht im normalen Chat.

  Screenshot: Zwei KI-Agenten sind in fremde Systeme eingedrungen, gemeldet wurde es Monate später 

Zwei KI-Agenten sind in fremde Systeme eingedrungen, gemeldet wurde es Monate später

Ein Agent von OpenAI sollte in Australien Gesundheitsstatistiken recherchieren. Als das Medicare-Portal von Services Australia die Daten nicht herausgab, verschaffte er sich auf anderem Weg Zugang, auch zu nicht öffentlichen Dateien. Passiert ist das im Juni, die australische Regierung erfuhr es erst im September, per Mail an ein öffentliches Postfach. Premierminister Albanese nannte den Vorgang „inakzeptabel“.

Fast zeitgleich hat Google bestätigt, dass Gemini bei einem Sicherheitstest im Mai drei Websites gehackt hat, die es für Teil seines Testauftrags hielt. In einem Fall riet das Modell Passwörter, in zwei Fällen fand es Zugangsdaten in einem öffentlichen Repository. Durchgeführt hat den Test Irregular, die Firma, die laut der letzten Ausgabe schon hinter den Vorfällen bei OpenAI, Anthropic und Meta stand.

Beide Agenten haben ein Nein als technisches Hindernis behandelt und einen Weg drumherum gesucht. Zusammen mit der Prüfung der EU-Kommission wegen der versäumten Meldepflicht aus #197 ergibt das ein klares Bild: Wer Agenten mit Internetzugang arbeiten lässt, braucht Grenzen, die technisch greifen, und jemanden, der Auffälligkeiten sofort sieht.

  Screenshot: Für Berufseinsteiger gibt es in Deutschland deutlich weniger Stellen 

Für Berufseinsteiger gibt es in Deutschland deutlich weniger Stellen

Das Indeed Hiring Lab hat am 23. September ausgewertet, wie sich die Stellenanzeigen für Einstiegsjobs in Deutschland entwickeln. Seit dem Höchststand im Juli 2022 ist das Angebot um mehr als zwei Drittel gefallen. Im Juli 2026 lag es 46 Prozent unter dem Niveau von 2019, der Gesamtmarkt dagegen 8 Prozent darüber.

Am stärksten trifft es Wissensberufe: Einstiegsjobs im Marketing gingen zwischen 2022 und 2026 um 75 Prozent zurück, im Projektmanagement um 60, bei IT-Anwendungen um 77 Prozent. Ausbildungsstellen liegen dagegen rund 50 Prozent über 2019. Indeed betont selbst, dass die Schere schon im Frühjahr 2022 aufging, also vor ChatGPT, und vermutlich auch die Konjunktur eine Rolle spielt.

Auf der Baufi Connect habe ich gesagt, dass Jobs, die sich nur auf Wissen verlassen, es zunehmend schwerer haben werden. Die Zahlen passen dazu, aber KI ist nur ein Teil der Erklärung. Für Firmen ist eine andere Frage wichtiger: Wer die Aufgaben, an denen Junioren früher gelernt haben, an KI gibt, braucht einen neuen Weg, wie Leute das Handwerk lernen. In #194 ging es genau darum, dass man verlernt, was man nur noch prüft.

   

Wer in ChatGPT wirbt, baut OpenAI einen Tracker in die eigene Website

Ein unabhängiger Forscher hat nachvollzogen, was das Werbe-Pixel von OpenAI auf den Websites der Werbekunden tut. Es schickt ein Cookie namens __obi an OpenAI, das mit dem ChatGPT-Konto verknüpft ist. Damit kann OpenAI das Surfverhalten auf diesen Seiten dem eigenen ChatGPT-Konto zuordnen, beobachtet über 936 Pixel auf 1.029 Hostnamen.

OpenAI führt das Cookie als Analyse-Cookie, wer Analyse zulässt und Marketing ablehnt, bekommt es also trotzdem. Das Pixel liest außerdem Formularfelder und den Tag-Manager der Seite aus, E-Mail und Telefonnummer gehen gehasht raus, die Postleitzahl im Klartext. Die werbenden Firmen selbst sehen davon nichts, weil das Cookie auf einer OpenAI-Domain liegt. Beobachtet wurde das in Chrome auf Android, iOS ist nicht betroffen, und OpenAI hat auf die Fragen bisher nicht inhaltlich geantwortet.

In #193 ging es um den Start der Anzeigen in ChatGPT, auch in Deutschland. Wer als Unternehmen das Pixel einbauen will, sollte das vorher mit dem Datenschutz klären und nicht erst, wenn ein Kunde fragt. Technisch ist das Standard aus der Werbewelt, schreibt der Autor. Neu ist, dass es an einem Chatbot hängt, dem Menschen Dinge erzählen, die sie nie in ein soziales Netzwerk schreiben würden.

  Screenshot: Microsoft rechnet Agenten in Copilot künftig nach Verbrauch ab 

Microsoft rechnet Agenten in Copilot künftig nach Verbrauch ab

Microsoft hat am 25. September den Umbau von Copilot vorgestellt. Home bringt Chat, Cowork und Word, Excel und PowerPoint an einen Ort, mit Code bauen auch Nicht-Entwickler kleine Apps im eigenen Tenant, und Autopilot ist ein Agent mit eigener Identität, der weiterarbeitet, wenn niemand hinschaut. Home und Code kommen in den nächsten Wochen ins Frontier-Programm, Autopilot Ende des Monats in eine private Vorschau.

Wichtig ist die neue Abrechnung. Die feste Lizenz deckt künftig den Alltag ab: Chat, die Office-Apps und die automatische Modellwahl. Cowork, Code, Autopilot und Spitzenmodelle wie Astra und Fable laufen dagegen über verbrauchsabhängige Copilot Credits. Admins bekommen dafür Ausgabenregeln, Limits pro Nutzer und Gruppe und ein Kosten-Dashboard.

Copilot nutzen laut Bitkom 35 Prozent der deutschen Unternehmen, das stand in #197. Für sie ist das KI-Budget ab jetzt keine feste Zahl mehr. Prüft die Voreinstellung „Auto-apply new services“: Sie ist ab Werk aktiv und hängt neue Dienste automatisch an bestehende Ausgabenregeln. Die Details stehen bei Microsoft Learn.

 Auf dem Schirm

Kleinere Meldungen, die du kennen solltest, in je einer Zeile.

Gemini 3.8 Live bekommt ein Gesicht: Live Avatar ergänzt die Sprachmodelle aus der letzten Ausgabe um ein animiertes Gegenüber mit Lippensynchronisation, das im Hintergrund Tools aufruft, während es weiterredet. Verfügbar in Gemini Enterprise.

KI-Agenten haben hunderte Onlineshops angegriffen: Laut Gambit Security startete ein Angreifer zwischen dem 10. und 15. September 105 Angriffsprojekte, bei mindestens 27 Firmen kam er rein. Von zwei Firmen kopierte er Daten von 600.000 gültigen Kreditkarten.

Aus der Codex-Sandbox ließ sich ausbrechen: Forscher von Accomplish AI fanden zwei Wege, einer davon führte Befehle auf dem eigenen Rechner aus, sobald man Codex eine Frage zu fremdem Code stellte. OpenAI hat beide Lücken innerhalb von acht Tagen nach der Meldung geschlossen.

Anthropic hat claude.ai mit Claude dreimal schneller gemacht: In einem zweiwöchigen Sprint im August sank die Ladezeit bis zur tippbereiten Seite von 3,1 auf 0,55 Sekunden. Claude suchte die Engpässe und lieferte über 3.000 Änderungen, Menschen gaben jede einzelne frei.

ChatGPT Voice greift jetzt auf Mail, Kalender und Slack zu: Du kannst per Sprache nach einem freien Termin fragen und ihn eintragen lassen. Freigaben musst du weiter auf dem Bildschirm bestätigen, ein gesprochenes Ja reicht nicht.

Meta bringt eine Brille ohne Kamera: Die Ray-Ban Meta Audio wiegt 43 Gramm und kommt am 13. Oktober ab 349 US-Dollar. Nach dem Prüfbericht der Hamburger Datenschutzbehörde zu Kamerabrillen aus #196 die Variante, über die im Büro niemand diskutieren muss.

OpenAI entlässt Trainer, die dafür selbst KI benutzt haben: Mehrere Auftragnehmer, die OpenAIs Modelle mit menschlichem Urteil verbessern sollten, haben laut 404 Media KI-Antworten eingereicht. Nach Project Lily aus der letzten Ausgabe noch ein Blick darauf, wie viel Handarbeit in diesen Modellen steckt.

Trump will KI in Superintelligenz umbenennen: In US-Regierungsdokumenten soll künftig von Superintelligenz die Rede sein, sagte Trump vor der UN-Vollversammlung, der alte Begriff lasse die Technologie „fake“ erscheinen. Für mich sieht das nach Rebranding aus.

Österreich erlaubt Bescheide ohne menschliche Prüfung: Der Nationalrat hat beschlossen, dass Behörden erstinstanzliche Bescheide und bestimmte Verwaltungsstrafen vollautomatisch ausstellen dürfen, auch mit KI. Ob ein Fall dafür geeignet ist, entscheidet jede Verwaltungseinheit selbst.

EU-Rat will KI-Training mit personenbezogenen Daten erleichtern: Ein geleakter Kompromissvorschlag der irischen Ratspräsidentschaft würde das Training in der Regel als berechtigtes Interesse werten, ohne Einwilligung. Deutschland hat sich laut Bericht dafür eingesetzt, noyb spricht von digitaler Enteignung.

Bankangestellte fordern Entlastungstage wegen KI: Der Deutsche Bankangestellten-Verband geht mit bis zu drei KI-Entlastungstagen pro Quartal in die Tarifverhandlungen mit privaten Banken. Die Zahl soll sich nach Art und Umfang der KI-Arbeit richten.

Black Forest Labs steuert jetzt Roboter: FLUX 3 Action ist ein Modell mit 7 Milliarden Parametern für die Robotersteuerung, veröffentlicht samt Gewichten und Bericht. Zusammen mit einem großen Planungsmodell kommt laut BFL bis zu 53,64 Prozent mehr Erfolg pro Dollar heraus.

 Tools und Tool-Updates

Was ich mir angesehen habe und für wen es sich lohnt.

Gemini 3.8 Flash TTS: Neue Stimmen per Beschreibung erzeugen, über 100 Sprachen und mehr als 2.000 fertige Stimmen. Eigene Stimmen lassen sich aus 30 Sekunden Audio nachbauen, nur mit aufgezeichneter Einwilligung der Person.

DeepL per MCP in Copilot, ChatGPT und Claude: Einmal das DeepL-Konto verbinden, dann Texte und ganze Dokumente direkt im Assistenten übersetzen, samt Glossar und Stilregeln deines Unternehmens.

mlx-serve: Kostenlose, quelloffene App, die offene Modelle komplett offline auf dem Mac laufen lässt. Chat mit eigenen Dokumenten, dazu Bilder, Musik und Video, und nichts verlässt den Rechner.

Tesseract von Mirage: Videoschnitt-Engine für KI-Agenten. Keyframes, Ebenen und Ton sind Teil des Projekts, der Agent schneidet und rendert, ohne dass du Premiere oder After Effects öffnest.

Akai von Deel: Du zeigst einen Arbeitsablauf einmal vor, Akai baut die Anbindungen und lässt ihn danach von Agenten über mehrere Systeme laufen. Wie viel Kontrolle du behältst, legst du vorher fest.

Delos AI Workers: Digitale Mitarbeiter mit eigener Mail-Adresse und Telefonnummer, die in Slack und Teams arbeiten. Nach der zweiten Top-Meldung ein guter Anlass, vor dem Test die Grenzen festzulegen.

Freya TTS Adam V1: Sprachmodell, das im Blindtest von Design Arena direkt hinter echter menschlicher Sprache landet. 1.000 Zeichen am Tag sind ohne Anmeldung kostenlos.

Agora-2 von Odyssey: Weltmodell, das eine gemeinsame, spielbare Umgebung für bis zu 20 Menschen und Agenten in Echtzeit erzeugt, trainiert auf Aufnahmen aus Diablo II. Als Research Preview spielbar.

ShyGlass: Nutzt die Bewegungssensoren deiner AirPods und verschleiert den Mac-Bildschirm, sobald du wegschaust. Braucht macOS 14 und AirPods mit Head-Tracking, kein Abo.

Multimodal-Bericht in der Search Console: Seit dem 24. September zeigt die Search Console, wie deine Seiten über Lens, Circle to Search und die Bildersuche gefunden werden, auch im Bericht für generative KI-Funktionen.

Vom 28. bis 30. September findest du mich bei Bits & Pretzels in München, am 1. Oktober in Frankfurt bei Matrix42.

Bis dahin eine Sache zum Ausprobieren: Zähl nach, wie viele Tage bei euch zwischen „das will ich nutzen“ und dem freigegebenen Tool liegen, und stimm oben bei der Frage der Woche ab.

Jens

Nur für die, die bis hier gescrollt sind

Mein Use Case der Woche

Mein meistgelesener Beitrag der Woche war ein Geständnis: Workslop ist verdammt respektlos, und ich habe es auch getan. Workslop ist KI-Output, der fertig aussieht und die eigentliche Arbeit an die nächste Person weiterreicht, das 52-Seiten-Dokument, das in zwei Minuten entstanden ist und das dann jemand anderes lesen muss. In der Befragung von BetterUp Labs und dem Stanford Social Media Lab, die ich im Beitrag zitiere, haben 42 Prozent danach am Vertrauen in die Person gezweifelt, die es geschickt hat. Bei uns im Team hilft vor allem, sich gegenseitig darauf hinzuweisen, wir haben dafür inzwischen sogar ein eigenes Slack-Emoji.

 Jens Polomski

Jens Polomski · snipKI GmbH · Lerchenweg 4, 50997 Köln

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